Was ist das Wohlbefinden unserer Kinder wert? Darf Fremdbetreuung billig sein?

Was ist das Wohlbefinden unserer Kinder wert? Darf Fremdbetreuung billig sein?

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Mit dieser Frage bin ich heute aus einem an sich guten Gespräch heraus gegangen. Fremdbetreuung für unter 3 jährige Kinder wird (zurecht) von vielen Eltern und Erziehungswissenschaftlern kritisch gesehen. Andererseits  gibt es viele Eltern, die aus wirtschaftlichen Gründen ihre Kinder schon zeitig in eine Fremdbetreuung geben müssen. Diese Eltern suchen häufig nach dem optimalen Betreuungsplatz. Das Konzept der Kita muss ansprechend sein, es soll Wert auf eine gute Bindung zum Kind gelegt werden, die Bedürfnisse des Kindes sollen auch in der Kita gesehen und erfüllt werden. Zum Glück gibt es auch viele Kitas, die sich genau das zur Aufgabe gemacht haben. Sie möchten den Kindern eine Umgebung bieten, die von Vertrauen geprägt ist, wo kontinuierliche Bindungen zu den ErzieherInnen aufgebaut werden können, wo Kinder sich wohl fühlen, sich in ihren Bedürfnissen gesehen und angenommen fühlen können.

Doch gerade die ErzieherInnen dieser Kitas arbeiten am Rand ihrer Belastbarkeit. Die Betreuungsschlüssel orientieren sich ausschließlich an den finanziellen Bedingungen der Träger und nicht an den Bedürfnissen von Personal und Kindern. Es ist kein Geld da, um die Personalsituation zu entschärfen! Nach Abzug des Jahresurlaubs der ErzieherInnen ergibt sich zum Teil ein Betreuungsschlüssel von 1:20! Kommen dann noch  krankheitsbedingte Ausfälle im Team dazu, verschärft sich die Lage zusätzlich. Hier wünschen sich die KitaleiterInnen Krankheitsvertretungen, die kontinuierlich über längere Zeit immer wieder in die gleichen Gruppen kommen können, um die Gefühlswelt der Kinder nicht zu sehr aufzuwühlen. Durch Personalwechsel entsteht immer eine Unsicherheit bei den Kindern. Dem soll durch kontinuierliche Krankenvertretungen entgegengewirkt werden. Doch woher nimmt man diese qualifizierten, zur Kitaphilosophie passenden, den Kindern zugewandten Vertretungen her? Vor Allem vor dem Hintergrund der Finanzierung! ErzieherInnen in den neuen Bundesländern verdienen vergleichsweise wenig, obwohl sie einen Job machen, der für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Beim Thema Krankenvertretung kommen dann Honorarsummen ins Gespräch, da kommen jedem, nicht nur  Selbstständigen, nur noch die Tränen. (Und wer, außer die selbstständigen ErzieherInnen und Pädagogen ist flexibel genug für diesen Job?)  8,50€ für eine Zeitstunde für eine(n) selbsständige(n) Erzieher(in) bedarf keiner weiteren Diskussion. Die Kitas haben einfach nicht mehr Geld zur Verfügung, klar.

Warum ist das Wohlbefinden unserer Kinder, dem Wertvollsten was wir und die Gesellschaft haben so wenig wert?!? Wie kann es sein, dass Millionen von Euro in Projekte investiert werden, die sich mit den negativen Folgen von Angst, Mobbing, anderer Gewalt (z.B. emotionaler Vernachlässigung) und fehlender Bindungserfahrung in Kindereinrichtungen (da zähl ich jetzt auch mal Schulen dazu) befassen, aber kein Geld dafür da ist, diese negativen Folgen gar nicht erst entstehen zu lassen? Es muss einfach mehr Geld für gute Fremdbetreuung zur Verfügung stehen! Und zwar nicht auf Kosten der Eltern!

Sollen unsere Betreuungseinrichtungen tatsächlich nur unsere Kinder „aufbewahren“? Dürfen sich unsere Kinder nicht einfach wohlfühlen dürfen, auch wenn sie nicht in der eigenen Familie betreut werden (können)? Haben sie das etwa nicht verdient?

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