Stillen – natürlich, aber nicht angeboren!

Stillen – natürlich, aber nicht angeboren!

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Zumindest bei den Menschenmüttern ist Stillen kein angeborener Instinkt oder Reflex. Sie müssen erst lernen, wie man Babys stillt. Stillen ist also u.a. ein sozial erlernter Prozess. Mutter Natur hatte es so eingerichtet, dass Mädchen und junge Frauen in ihrem direkten Umfeld viele Mütter beim Stillen beobachten konnten. Das waren die eigenen Mütter, ältere Schwestern, Tanten. Heute ist das leider nicht mehr so einfach. Es gibt kaum noch Mehrgenerationenhaushalte und das Stillen wurde immer stärker tabuisiert. Zum Teil werden Frauen heute diskriminiert, wenn sie ihr Baby in der Öffentlichkeit stillen!

So kommt es, dass viele junge Frauen heute erst nach der Geburt des eigenen Babys mit dem Thema Stillen in Kontakt kommen.

Auch ich habe so mit meinem ersten Sohn schmerzliche Erfahrungen machen müssen. Ich wollte ihn gern stillen, das wusste ich, aber sehr viel mehr wusste ich nicht. Durch die schmerzhaften ersten Wochen habe ich mich gequält, weil ich fest entschlossen war, meinen Sohn zu stillen. Die einzige Unterstützung dabei waren gut gemeinte Salbenempfehlungen vom Krankenhauspersonal nach der Geburt. Kontakt zu einer Hebamme hatte ich nicht wirklich. Die einzige, die ich kennenlernte, kam zur Nachsorge zu mir nach Hause. Sie kontrollierte meine Dammnaht und sprach sonst nicht viel mit mir. Ich wusste auch nicht, was ich sie hätte fragen sollen.

So habe ich meinen Sohn drei Monate gut stillen können. Als die schmerzhafte Zeit vorbei war, war es richtig schön. Dann kam ein Tag, an dem er ständig Hunger hatte und immer wieder stillen wollte. Ich bekam Angst, dass er nicht mehr satt wird und meine Milch nicht reicht. Auch am nächsten Tag wurde es nicht besser und so besorgte ich Pulvermilch und gab ihm die erste Flasche. Das war der Beginn unserer Abstillspirale. Ich hatte das Gefühl die Milch wurde immer weniger, also gab ich ihm immer häufiger die Flasche. Nach dem 4. Monat war er dann endgültig abgestillt. Ich habe das damals sehr bedauert.

Aber so muss es nicht kommen. Holt euch Unterstützung! Sucht Kontakt zu ebenfalls stillenden Müttern, tauscht euch aus, lasst euch beraten! Und erzählt Mädchen und jungen Frauen von euren Stillerfahrungen, damit diese zumindest schon etwas von den Grundlagen des Stillens gehört haben, wenn sie selbst Kinder bekommen. Auch gibt es mittlerweile überall (ehrenamtliche) Stillberaterinnen und stillerfahrene Hebammen. Habt keine Hemmungen, diese zu kontaktieren!

Ich weiß mittlerweile, dass sich nach ca. drei Monaten die Milchmenge dem erhöhten Bedarf neu anpassen muss. Wenn das Baby nach Bedarf angelegt wird, pegelt sich das meist innerhalb von 3 Tagen wieder ein. Auch schmerzhaft wunde Brustwarzen müssen nicht sein! Durch das korrekte Anlegen des Kindes mit „ganz viel Brust im Mund“ kann das verhindert werden. Meine darauffolgenden 3 Kinder habe ich sehr gerne und lange gestillt. Ich habe Kontakte geknüpft, mich mit anderen Müttern ausgetauscht und davon sehr profitiert.

Stillen ist das Beste für euch und euer Baby! Genießt es! Und lasst euch vor Allem nicht einreden, dass es normal ist, Babys nach 6 Monaten oder noch eher abzustillen! Das weltweit durchschnittliche Abstillalter liegt bei 3-4 Jahren! In manchen Ländern werden Kinder bis zum 7. Lebensjahr gestillt (natürlich essen die Kinder dann auch schon feste Nahrung). Und Mutter Natur hatte ganz sicher einen Grund, das so einzurichten!

Wie waren eure Stillerfahrungen beim ersten Kind? Was hättet ihr gern damals schon gewusst? Ich würde mich freuen, wenn ihr hier eure Erfahrungen mit anderen teilt!

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