„Mama, ich lieb dich so!“ – Vom Nehmen, Geben und Dankbarkeit im Leben mit Kindern

„Mama, ich lieb dich so!“ – Vom Nehmen, Geben und Dankbarkeit im Leben mit Kindern

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Ihr kennt diese Phasen sicher auch. Frau ist genervt von der ständigen Unordnung und dem Dreck, den Kinder scheinbar ununterbrochen produzieren. Frau möchte einfach nur mal für sich sein und etwas Ruhe haben und ist frustriert von den Kids, die ständig etwas brauchen und gefühlt im 10-Minuten-Takt zum Klo gebracht werden wollen. Was Geduld eigentlich ist, ist in solchen Phasen nur zu erahnen.

In genau solch einer Phase war ich vor ein paar Tagen mal wieder. Ich hatte keine Lust mehr ständig nur zu geben, zu geben, zu geben. Dann kam am Nachmittag dieses Sch***tages meine Jüngste (2,5) zu mir und wollte auf meinen Arm. Eigentlich wollte ich mit beiden Händen gerade etwas zu Essen für mich vorbereiten. Aber gut, auf das Geschrei hatte ich auch keine Lust. Ich nahm sie hoch, sie drückte mich ganz, ganz fest, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „Mama, ich lieb dich so!“

In diesem Moment wurde mein Tag wieder hell und freundlich. Ich beschloss, mir viel öfter bewusst zu machen, was mir meine Kinder geben, statt immer nur dass zu sehen, was sie nehmen.

Gerade unsere Jüngste gibt uns unglaublich viel Liebe, Nähe und Streicheleinheiten zurück. Klar nervt es manchmal, wenn sie ständig zum Klo gebracht werden will und das Alleingehen oder den Topf vehement ablehnt. Wenn wir dann aber auf dem Klo sind (ich hocke vor ihr und halte sie) reiben wir unsere Nasen aneinander, sie streichelt mein Gesicht und über meine Haare und erklärt mir dabei immer, dass ich meine Augen ruhig auf lassen kann. Sie gibt mir also mehrmals täglich eine kleine Minientspannungseinheit auf dem Klo. 😉 Wenn ich mal wieder sehr genervt bin, kommt sie zu mir, streichelt mich und sagt zum Beispiel: „Ganz ruhig, Mama! Sei ganz ruhig!“ Natürlich in einem ganz beruhigendem Ton. Wer kann da noch sauer oder genervt sein? Mich bringt es regelmäßig zum Lächeln.

Mein jüngerer Sohn (6J.) hat recht starke Bedürfnisse, vor Allem wenn er zu lang nichts gegessen hat.  Er lehrt mich regelmäßig einige Lektionen in Sachen Geduld. Aber wenn ich es schaffe ruhig und ganz bei ihm zu bleiben, werde ich belohnt damit, dass er seine Hände in meinen vergräbt, ganz nah kommt und mich spüren lässt, wie sehr er mir vertraut und sich ganz bei mir fallen lassen kann. Ein Beispiel dazu könnt ihr hier nachlesen. Es ist toll ihn in seiner Stärke zu sehen. Er hat ein unglaubliches Körpergefühl und ist immer sehr stolz, wenn er uns bei einer schweren Arbeit unterstützen kann. Er war es, der uns den Wert des Co-sleepings, des gemeinsam Schlafens wieder hat erkennen lassen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es ist so schön, am Morgen, in die kleinen zufriedenen, entspannt schlafenden Gesichter zu blicken.

Meine ältere Tochter (8J.) bringt uns eine unglaubliche Extraportion Bewusstsein und Erkenntnis. Durch sie haben wir vor vielen Jahren angefangen uns kritisch mit dem Thema Impfen auseinander zu setzen. Und sie war es auch, die uns durch ihre Reaktionen auf körperlicher und seelischer Ebene nach alternativen Bildungsmöglichkeiten hat suchen lassen. Durch sie haben wir unsere Art der selbstständigen Tätigkeit umstrukturiert und sind nun als beruflich Reisende über weite Teile des Jahres mit der ganzen Familie zum Arbeiten unterwegs. Dadurch sind wir uns alle wieder viel näher gekommen und haben die Chance tatsächlich als Familie zusammen zu leben und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln. Dafür danke ich ihr sehr!

Meinen Ältesten (15 J.) zu sehen, macht mich richtig stolz! Er geht nicht den „braven“ Weg. Unter den Bedingungen, die Schule ihm anbietet, geht er dort nicht hin. Er hat seinen eigenen Bildungsweg gefunden. Er bildet sich über eine internationale Fernschule und erarbeitet sich gerade seinen High School Abschluss. Und das tut er völlig selbstständig. Nachdem er in diesem Schuljahr bereits ein dreiwöchiges Praktikum absolviert hat, macht er gerade eine Weiterbildung zum Erwerb der Jugendleiterkarte (Juleika). Er ist dort der Jüngst in der Gruppe. Auch ist er in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern. Wenn er bei irgendwelchen Veranstaltungen sein möchte, aber kein Geld dafür zahlen mag, besorgt er sich einen Job, vorzugsweise in der Küche und erarbeitet sich sein Essen und sein Dasein-Können. Aktuell organisiert er zusammen mit anderen Jugendlichen ein Jugendtreffen des Septré e.V., das im kommenden Jahr bei uns stattfinden soll.

Es ist einfach toll zu sehen, dass er schon so selbstsicher auf seinen eigenen Beinen stehen kann!

Wenn ich mir das alles, immer wieder vor Augen führe und dabei von meinen Kindern höre, wie viel ich ihnen bedeute, dann ist der Ärger meist ganz schnell verraucht und es fällt mir leichter mit dem Dreck, der Unordnung und dem Lärm umzugehen.

Wie ist das bei euch? Was lässt euren Ärger verfliegen? Für was seid ihr euren Kindern dankbar?

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