Artgerecht – was bedeutet das eigentlich?

Artgerecht – was bedeutet das eigentlich?

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Wort „artgerecht“ im Kontext des Lebens mit Kindern benutze. Die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort „artgerecht“ hören an die artgerechte Haltung von Tieren. Bei der artgerechten Tierhaltung geht es darum, welche Bedingungen den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart gerecht werden. Was sie also brauchen, um sich wohlzufühlen.

Aber geht es bei Leben mit Menschen und vor Allem Menschenkindern nicht auch darum Bedingungen zu schaffen, mit denen sich alle wohlfühlen? Darum, dass die Bedürfnisse des anderen erkannt und ernst genommen werden?

Das „Artgerecht-Projekt“, gegründet von Julia Dibbern und Nicola Schmidt hat sich zur Aufgabe gemacht, zu ergründen, was für die Spezies Mensch typisch ist, vor Allem in Bezug auf das Leben mit Babys und Kleinkindern. Dabei holen sie uraltes Wissen wieder ins Bewusstsein.

„Wenn sie verstehen, was artgerecht für Menschenkinder ist, sehen sie ihr Baby mit neuen Augen. Plötzlich verstehen sie, warum es weint, was es braucht, was sie jetzt tun können.“ (Nicola Schmidt, Artgerecht – das andere Babybuch)

Irgendwann verließ der Mensch den Lebensraum Natur, wurde sesshaft, baute Städte. Seitdem haben sich seine Lebensbedingungen drastisch verändert. Wo früher eine große, ständige Nähe zwischen Kindern und Erwachsenen war, gibt es nun eine immer stärkere und frühere Trennung der Lebenswelten von Erwachsenen und Kindern.

Ebenso verhält es sich mit der Beziehung zur uns umgebenden Natur. Früher war sie alleiniger Lebensraum des Menschen und versorgte ihn mit allem, was er zum Leben brauchte. Heute gibt es auch hier eine starke Trennung. Kinder spielen immer weniger in Wäldern oder auf ursprünglichen Wiesen. Die Natur als Lern- und Erfahrungsort verliert scheinbar ihre Bedeutung.

Auf der Instinktebene sind wir aber alle noch in den „alten Zeiten“ verwurzelt. In den wenigen Jahrhunderten des „modernen Lebens“ hat die Evolution es noch nicht geschafft, den Menschen entsprechend anzupassen. Das heißt, dass vor Allem bei Babys und kleinen Kindern diese „alten“ Instinkte und Bedürfnisse noch sehr stark sind, da sie noch nicht von Kultur und Erziehung überlagert wurden.

Das „Artgerecht-Projekt“ und ich als Artgerecht-Coach möchten Eltern dabei helfen, die Bedürfnisse ihrer Babys und Kleinkinder zu verstehen und in guter, wertschätzender Weise damit umzugehen.

Was gehört für euch zu einem artgerechten Leben dazu? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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