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Nun gehts weiter mit unserer Schweden Tour. Den ersten Teil dieser Reise findet ihr hier: Schwedentour Teil I

Tag 5 Malmö - Gottbol

Nachdem wir ewig keinen guten Stellplatz für die Nacht gefunden hatten, standen wir dann einfach auf einer Schotterbucht an einer stark befahrenen Straße. Zum Glück nur diese eine Nacht!

Etwas unausgeschlafen und gerädert ging es dann an diesem Freitag auf die vorletzte Etappe. Und wisst ihr was? Nur wenige hundert Meter nach einer Kurve sahen wir einen wunderbaren Rastplatz im Grünen, etwas abseits der Straße. 🙁

Nach Halmstadt fuhren wir auf der 26 weiter nach Norden (bzw. NO). Nach Mariestad war es wieder Zeit nach einem Schlafplatz zu suchen. Wir wollten gern einen Platz am See finden, wo wir über Nacht bleiben konnten. So fuhren wir immer wieder von der 26 ab auf kleinere Straßen direkt am Vännern. Allerdings sind diese Seegrundstücke wohl sehr beliebt. Es gab dort keinen Platz, wo wir ohne Campingplatzgebühren hätten stehen können. Nach etwa 2h vergeblicher Suche änderten wir die Taktik. Vielleicht gab es ja weiter im Landesinneren wieder mehr Rastplätze oder andere geeignete Stellen? Wir fuhren nördlich von Gullspång  von der 26 ab nach Osten auf die 204. In Gottbol am Skagernsee fanden wir eine ganz tolle Badestelle, wo wir auch problemlos über Nacht bleiben konnten. Es waren bereits zwei weitere Wohnmobile vor Ort. Ein deutsches und ein schwedisches Paar. Wir kamen dort gegen 20 Uhr an, aber es war noch herrlichster Sonnenschein. Also, was taten unsere drei Jüngsten? Na klar, sie schmissen sich erst mal eine Runde in den See. Das war schon die dritte Bademöglichkeit an diesem Tag, aber die drei kriegen einfach nie genug. Das Schöne an all den Seen, die wir bisher in Schweden zum Baden besucht hatten ist, dass sie sehr lange, sehr flach sind. Man kann zum Teil hundert Meter oder mehr hineinlaufen und das Wasser geht einem immer noch nicht über den Bauchnabel. Dieser See hatte wirklich wenig Wasser. Man sieht ja bis wohin der Wasserstand gehen kann, aber hier begann das Wasser erst ca. 20 m nach dieser Linie. Es gab viele Sandbänke und kleinere Tümpel dazwischen – der ideale Kinderspielplatz!

Auf diesem Platz, recht frei stehend ohne Bäume in unmittelbarer Nähe viel mir das erste Mal richtig auf, dass es nachts gar nicht mehr richtig dunkel wurde. Um Mitternacht war es noch fast taghell.

Kids im Skagensjö
Kids im Skagensjö
wenig Wasser im Skagensjö
wenig Wasser im Skagensjö
Kids beim Spielen
Kids beim Spielen

Tag 6 Gottbol - Lakene

Allerdings schien dann auch am nächsten Morgen die Sonne schon vor 6 Uhr morgens. Und unsere Jüngste weckte uns dann mit dem begeisterten Ausruf: „Aufwachen, die Sonne scheint schon!“ Wir brauchen dringend verdunkelnde Vorhänge im Bus!

Da wir nur noch ca. 150km vor uns hatten, konnten wir uns ordentlich Zeit lassen an diesem schönen, sommerlich warmen Samstagmorgen! Die Kinder spielten im See und auch wir Erwachsenen schwammen eine Runde im Brusthohen eiskalten Wasser. Es war herrlich!

Nach dem Mittagessen ging es dann weiter bis zum Endziel für die nächsten zwei Wochen. Über die 26, die E18 und die 240 bis nach Lakene.

Hier haben wir für die kommenden 2 Wochen eine feste Unterkunft in einem Ferienhaus. Ganz in der Nähe vom Ferienhaus meiner Eltern, meines Bruders und meiner Schwägerin. Sie nutzen ihren Urlaub und unterstützen uns hier vor Ort bei der Betreuung unserer Kids. Nun kann ich mich intensiv der Fotografie widmen. (wobei ich natürlich auch unterwegs schon fotografiert habe) Wir werden von hier aus Kontakte knüpfen und Möglichkeiten eruieren. Hier besteht ein großer Bedarf an qualitativ hochwertigen Bildungsangeboten. Nur mein Schwedisch muss ich noch deutlich verbessern. Die Kommunikation ist recht mühsam und ich greife doch öfter auf Englisch zurück. Hier im näheren Umfeld gibt es aber auch viele deutsche Familien. Einige sind bereits ausgewandert, andere zum Beispiel die Vermieter unseres Häuschens planen die Auswanderung.

Angeln am Klarälven
Angeln am Klarälven
alte Wurzel - junger Fuß
alte Wurzel - junger Fuß
alte Kiefer
alte Kiefer

Von Lakene aus sind wir fast täglich auf der Suche nach schönen Wald- und Seeplätzen. Die schwedischen Wälder sind wunderbar und bieten so viele schöne Fotomotive!

Im nächsten Teil möchte ich euch ein ganz tolles Ausflugsziel mit Kids in Värmland vorstellen. Bis dahin!

Viele Grüße,

Anja

Dank unseres Buses sind nun auch die Fahrten zu Arbeits- und Urlaubsorten ein Abenteuer! An einem Montag im Juni starteten wir unsere Fahrt nach Schweden. 6 Tage hatten wir eingeplant, um zum Zielort in Värmland nördlich des Vännern zu kommen. Und dank unserer „Wanderdüne“ brauchten wir diese Zeit auch für die ca. 1500 km. Für manche mag das sehr mühsam klingen eine Woche lang mit allen Kids in einem langsam dahin zuckelnden Bus zu verbringen, aber das ist es ganz und gar nicht. Mit unserer Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h und einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 50 – 60 km/h meiden wir die Autobahn so weit es geht und nutzen lieber kleinere bis kleine Straßen. Auf die Art bekommt man sogar beim Fahren einiges mit von der Landschaft.

Spaß im Bus
Spaß im Bus

Tag 2 Ostesee

Am zweiten Tag kamen wir an unserem Lieblingsostseeparkplatz in der Nähe von Dassow bei Bärendorf an. Dort haben wir als Zwischenstation schon einige Nächte verbracht winters wie sommers. Der Strand dort ist auch in der Hauptsaison nicht so arg überfüllt und die Kids können dort am Sandstrand oder auf einer der zahlreichen Sandbänke in der Ostsee spielen. An dem Tag, an dem wir diesmal ankamen ging ordentlich Wind. Es waren viele Kitesurfer im Wasser und über allem schwebten zahlreiche bunte Kites durch die Luft. Trotz nicht ganz so sommerlicher Temperaturen lassen sich unsere drei jüngeren Kids nicht vom Baden abhalten.  Also ab hinein ins kühle Nass! Als wir dann schließlich mit recht durchgefrorenen blaulippigen Kindern zurück im Bus waren, gabs erst mal einen Tee zum Aufwärmen.

Tag 3 Ostsee - Dänemark

Der nächste Tag war etwas windstiller und sommerlich warm. Die Kids wollten natürlich ins Wasser!

Wir haben uns Zeit gelassen mit Frühstück, baden, spielen, zusammenpacken. Ich war mit den Kids am Strand, Toralf nutze die freie Zeit zum Arbeiten.

Jetzt im Juni ist die Kasse am Parkplatz vom späten Vormittag bis zum frühen Abend wieder besetzt. Wir haben die Tagesgebühr für diesen und den vorangegangenen Tag von insgesamt 12 € bezahlt. Wer das komplett umgehen möchte, sollte abends nach 18 Uhr (in der Hauptsaison nicht vor 19 Uhr) ankommen und morgens zeitig wieder verschwinden.

Ostsee
Ostsee

An diesem dritten Tag unserer Reise nach Norden kamen wir bis nach Dänemark. Uns viel auf, dass die Grenze mittlerweile nicht mehr unbewacht ist. Zwei Grenzbeamte schauten flüchtig in unseren Bus und winkten uns dann weiter. Wir wollten noch so 1-2h fahren und dann einen Platz für die Nacht suchen. Im Süden von Dänemark entlang der Landstraße gab es viele sehr schöne und saubere Rastplätze. Je weiter man nach Norden kommt, desto weniger wird es allerdings. Wir fanden dann einen Platz ca. 28km vor Odense. Allerdings waren wir hier nicht allein. Durch die Nähe zur Autobahn kommen hier natürlich auch einige Brummifahrer hin, um zu schlafen. Aber in unserem Bus kriegt man davon kaum was mit.

Tag 4 Dänemark - Schweden

Als wir morgens aufwachten, war der Parkplatz schon wieder leer. Es gab eine saubere Toilettenanlage und einen Zugang in den angrenzenden Wald. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt, um mit unserer Hündin Runja und der Kamera eine längere Erkundungsrunde zu drehen. Es war ein schöner alter Buchenwald. Und wenn ich im Buchenwald unterwegs bin, geht bei mir automatisch der „Baumperlenradar an“! Ich scanne dann alle Bäume nach Baumperlen ab. Und ich wurde fündig! Neben einigen kleineren Exemplaren schenkte mir eine Buche gleich zwei richtig große Knollen! Die größten, die ich bisher selbst gefunden habe!

Baumperlen von Buchen
Baumperlen von Buchen

Nach dem Frühstück ging es dann weiter Richtung Odense, wo wir auf die Autobahn auffuhren, um über die Storebeltbrücke zu fahren. Mit einem so großen Gefährt, wie unserem ist das leider nicht ganz billig. Da wir in den Papieren ein Maximalgewicht von 4,6t drin stehen haben, kostete uns die Überfahrt 96€!

Nach der Brücke ging es wieder auf die Landstraße. Allerdings machten wir den Fehler und fuhren dann durch Kopenhagen anstatt schon vorher auf die Autobahn zu fahren, die uns über die nächste Brücke führen sollte. Mit dem Bus zur Feierabendzeit durch Kopenhagen zu fahren, macht absolut keinen Spaß! Echt nicht zu empfehlen! Bei den Gebühren für die Öresundbrücke hatten wir Glück. Der nette junge Mann am Schalter wollte keine Papiere sehen, fragte auch nicht und stufte uns in die Kategorie < 6m ein. Dadurch zahlten wir hier „nur“ 56€ statt über 100€. Manchmal darf man auch Glück haben 😉

von Dänemark nach Schweden über die Öresundbrücke
von Dänemark nach Schweden über die Öresundbrücke

Südlich von Malmö machten wir erst mal eine längere Pause. Direkt nach der Brücke gibt es einen Parkplatz mit kleinem Spielplatz und annehmbaren Toiletten. Mittlerweile ging es wieder auf Abend zu und wir mussten einen Platz für die Nacht suchen. Auf dem Pausenparkplatz wollten wir nicht bleiben. Wir hatten die Hoffnung etwas grüneres und ruhigeres zu finden. Leider ging dieser Wunsch für den Abend nicht in Erfüllung. Wir fuhren noch ein Stück auf der E20/E6 nach Norden und wechselten dann auf kleinere Straßen in Küstennähe. Aber es kam und kam kein wirklich schöner Platz. In der Hoffnung nach der nächsten Kurve vielleicht etwas Gutes zu finden, fuhren wir noch einige Stunden weiter, um schließlich völlig entnervt und erschöpft auf einem Schotterplatz direkt neben der Straße anzuhalten. Diese Nacht war kurz und recht unruhig, da immer wieder LKWs an uns vorbeidonnerten. Diese Straße war recht stark befahren. Aber am nächsten Tag konnten wir ja weiterfahren.

lila Lupinen am Straßenrand
lila Lupinen am Straßenrand
Lupinen und Toralf
Lupinen und Toralf
schwedische Sommerwiese
schwedische Sommerwiese

Das war der erste Teil unserer Tour. Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, was wir in den nächsten 2 Tage auf der Reise nach Lakene (Värmland) erlebt haben.

2 Kommentare

Überall um uns herum ist nun, knapp 2 Wochen vor Weihnachten der absolute Geschenke-Wahn ausgebrochen. Von Minimalismus keine Spur! Sogar für die ganz kleinen Babys müssen es mindesten 4 Geschenke sein und das muss alles noch besorgt werden und eigentlich hat ja niemand Zeit… So ein Stress! Wir haben schon vor Jahren beschlossen, da nicht mehr mitzumachen!

Dahin gebracht hat uns unser großer Sohn. Für ihn gab es anfangs auch noch viele Geschenke. Jedes kleine Teil einzeln eingepackt, damit er auch ganz viel zu tun hat beim Auspacken. Nur irgendwann kam der Punkt, da verlangte er nach mehr und noch mehr. Das war dann tatsächlich nur noch ein „Abarbeiten“. Paket aufreißen, kurz Geschenk anschauen, Geschenk weglegen, nächstes Paket aufreißen. Mit den Geschenken selbst konnte er kaum etwas anfangen und er hat mit den wenigsten Dingen wirklich gespielt. Und das Schlimmste war für uns alle, dass er total unzufrieden war!

Unsere Lösung

Also musste eine andere Lösung her. Es sollte nur noch Geschenke geben, die er wirklich haben wollte. Wir beschränkten die Anzahl auf zwei Geschenke. Ein Großes und ein Kleines. Und für diese zwei Geschenke legen alle zusammen, wir Eltern und die Großeltern. So sind auch mal höherpreisige Geschenke kein Problem.

Und siehe da: Es hat funktioniert! Er hat sich sehr sorgfältig überlegt, was er sich wünscht und war dann auch sehr zufrieden mit seinen beiden Geschenken.

Funktioniert noch heute

Mittlerweile ist das über 10 Jahre her. Jetzt haben wir vier Kinder und es funktioniert immer noch! Zu Weihnachten und zum Geburtstag gibt es diese beiden Geschenke. Interessanterweise fällt unseren Kids immer häufiger nichts ein, was sie sich wünschen könnten. Sie sind wunschlos glücklich. Ist doch super, oder? In so einem Fall „wartet“ das Geschenk einfach auf den Zeitpunkt, wenn doch ein dringender Wunsch aufkommt. Damit fahren wir wirklich gut! Wir haben den Geschenkefrust nicht mehr und auch der Kaufstress hält sich sehr in Grenzen, da unsere Kids ihre Wünsche schon recht frühzeitig festlegen. Wir werden auf jeden Fall dabei bleiben! Für absolute Minimalisten ist das zwar immer noch nicht genug Minimalismus, aber für uns taugt es!

Wie geht ihr mit dem weihnachtlichen Geschenke-Wahn und Minimalismus um? Habt ihr auch besondere „Strategien“ entwickelt? Über eure Kommentare würde mich mich freuen!

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Wort „artgerecht“ im Kontext des Lebens mit Kindern benutze. Die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort „artgerecht“ hören an die artgerechte Haltung von Tieren. Bei der artgerechten Tierhaltung geht es darum, welche Bedingungen den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart gerecht werden. Was sie also brauchen, um sich wohlzufühlen.

Aber geht es bei Leben mit Menschen und vor Allem Menschenkindern nicht auch darum Bedingungen zu schaffen, mit denen sich alle wohlfühlen? Darum, dass die Bedürfnisse des anderen erkannt und ernst genommen werden?

Das „Artgerecht-Projekt“, gegründet von Julia Dibbern und Nicola Schmidt hat sich zur Aufgabe gemacht, zu ergründen, was für die Spezies Mensch typisch ist, vor Allem in Bezug auf das Leben mit Babys und Kleinkindern. Dabei holen sie uraltes Wissen wieder ins Bewusstsein.

„Wenn sie verstehen, was artgerecht für Menschenkinder ist, sehen sie ihr Baby mit neuen Augen. Plötzlich verstehen sie, warum es weint, was es braucht, was sie jetzt tun können.“ (Nicola Schmidt, Artgerecht – das andere Babybuch)

Irgendwann verließ der Mensch den Lebensraum Natur, wurde sesshaft, baute Städte. Seitdem haben sich seine Lebensbedingungen drastisch verändert. Wo früher eine große, ständige Nähe zwischen Kindern und Erwachsenen war, gibt es nun eine immer stärkere und frühere Trennung der Lebenswelten von Erwachsenen und Kindern.

Ebenso verhält es sich mit der Beziehung zur uns umgebenden Natur. Früher war sie alleiniger Lebensraum des Menschen und versorgte ihn mit allem, was er zum Leben brauchte. Heute gibt es auch hier eine starke Trennung. Kinder spielen immer weniger in Wäldern oder auf ursprünglichen Wiesen. Die Natur als Lern- und Erfahrungsort verliert scheinbar ihre Bedeutung.

Auf der Instinktebene sind wir aber alle noch in den „alten Zeiten“ verwurzelt. In den wenigen Jahrhunderten des „modernen Lebens“ hat die Evolution es noch nicht geschafft, den Menschen entsprechend anzupassen. Das heißt, dass vor Allem bei Babys und kleinen Kindern diese „alten“ Instinkte und Bedürfnisse noch sehr stark sind, da sie noch nicht von Kultur und Erziehung überlagert wurden.

Das „Artgerecht-Projekt“ und ich als Artgerecht-Coach möchten Eltern dabei helfen, die Bedürfnisse ihrer Babys und Kleinkinder zu verstehen und in guter, wertschätzender Weise damit umzugehen.

Was gehört für euch zu einem artgerechten Leben dazu? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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Ihr kennt diese Phasen sicher auch. Frau ist genervt von der ständigen Unordnung und dem Dreck, den Kinder scheinbar ununterbrochen produzieren. Frau möchte einfach nur mal für sich sein und etwas Ruhe haben und ist frustriert von den Kids, die ständig etwas brauchen und gefühlt im 10-Minuten-Takt zum Klo gebracht werden wollen. Was Geduld eigentlich ist, ist in solchen Phasen nur zu erahnen.

In genau solch einer Phase war ich vor ein paar Tagen mal wieder. Ich hatte keine Lust mehr ständig nur zu geben, zu geben, zu geben. Dann kam am Nachmittag dieses Sch***tages meine Jüngste (2,5) zu mir und wollte auf meinen Arm. Eigentlich wollte ich mit beiden Händen gerade etwas zu Essen für mich vorbereiten. Aber gut, auf das Geschrei hatte ich auch keine Lust. Ich nahm sie hoch, sie drückte mich ganz, ganz fest, gab mir einen Kuss auf die Wange und sagte: „Mama, ich lieb dich so!“

In diesem Moment wurde mein Tag wieder hell und freundlich. Ich beschloss, mir viel öfter bewusst zu machen, was mir meine Kinder geben, statt immer nur dass zu sehen, was sie nehmen.

Gerade unsere Jüngste gibt uns unglaublich viel Liebe, Nähe und Streicheleinheiten zurück. Klar nervt es manchmal, wenn sie ständig zum Klo gebracht werden will und das Alleingehen oder den Topf vehement ablehnt. Wenn wir dann aber auf dem Klo sind (ich hocke vor ihr und halte sie) reiben wir unsere Nasen aneinander, sie streichelt mein Gesicht und über meine Haare und erklärt mir dabei immer, dass ich meine Augen ruhig auf lassen kann. Sie gibt mir also mehrmals täglich eine kleine Minientspannungseinheit auf dem Klo. 😉 Wenn ich mal wieder sehr genervt bin, kommt sie zu mir, streichelt mich und sagt zum Beispiel: „Ganz ruhig, Mama! Sei ganz ruhig!“ Natürlich in einem ganz beruhigendem Ton. Wer kann da noch sauer oder genervt sein? Mich bringt es regelmäßig zum Lächeln.

Mein jüngerer Sohn (6J.) hat recht starke Bedürfnisse, vor Allem wenn er zu lang nichts gegessen hat.  Er lehrt mich regelmäßig einige Lektionen in Sachen Geduld. Aber wenn ich es schaffe ruhig und ganz bei ihm zu bleiben, werde ich belohnt damit, dass er seine Hände in meinen vergräbt, ganz nah kommt und mich spüren lässt, wie sehr er mir vertraut und sich ganz bei mir fallen lassen kann. Ein Beispiel dazu könnt ihr hier nachlesen. Es ist toll ihn in seiner Stärke zu sehen. Er hat ein unglaubliches Körpergefühl und ist immer sehr stolz, wenn er uns bei einer schweren Arbeit unterstützen kann. Er war es, der uns den Wert des Co-sleepings, des gemeinsam Schlafens wieder hat erkennen lassen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es ist so schön, am Morgen, in die kleinen zufriedenen, entspannt schlafenden Gesichter zu blicken.

Meine ältere Tochter (8J.) bringt uns eine unglaubliche Extraportion Bewusstsein und Erkenntnis. Durch sie haben wir vor vielen Jahren angefangen uns kritisch mit dem Thema Impfen auseinander zu setzen. Und sie war es auch, die uns durch ihre Reaktionen auf körperlicher und seelischer Ebene nach alternativen Bildungsmöglichkeiten hat suchen lassen. Durch sie haben wir unsere Art der selbstständigen Tätigkeit umstrukturiert und sind nun als beruflich Reisende über weite Teile des Jahres mit der ganzen Familie zum Arbeiten unterwegs. Dadurch sind wir uns alle wieder viel näher gekommen und haben die Chance tatsächlich als Familie zusammen zu leben und gemeinsame Erfahrungen zu sammeln. Dafür danke ich ihr sehr!

Meinen Ältesten (15 J.) zu sehen, macht mich richtig stolz! Er geht nicht den „braven“ Weg. Unter den Bedingungen, die Schule ihm anbietet, geht er dort nicht hin. Er hat seinen eigenen Bildungsweg gefunden. Er bildet sich über eine internationale Fernschule und erarbeitet sich gerade seinen High School Abschluss. Und das tut er völlig selbstständig. Nachdem er in diesem Schuljahr bereits ein dreiwöchiges Praktikum absolviert hat, macht er gerade eine Weiterbildung zum Erwerb der Jugendleiterkarte (Juleika). Er ist dort der Jüngst in der Gruppe. Auch ist er in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern. Wenn er bei irgendwelchen Veranstaltungen sein möchte, aber kein Geld dafür zahlen mag, besorgt er sich einen Job, vorzugsweise in der Küche und erarbeitet sich sein Essen und sein Dasein-Können. Aktuell organisiert er zusammen mit anderen Jugendlichen ein Jugendtreffen des Septré e.V., das im kommenden Jahr bei uns stattfinden soll.

Es ist einfach toll zu sehen, dass er schon so selbstsicher auf seinen eigenen Beinen stehen kann!

Wenn ich mir das alles, immer wieder vor Augen führe und dabei von meinen Kindern höre, wie viel ich ihnen bedeute, dann ist der Ärger meist ganz schnell verraucht und es fällt mir leichter mit dem Dreck, der Unordnung und dem Lärm umzugehen.

Wie ist das bei euch? Was lässt euren Ärger verfliegen? Für was seid ihr euren Kindern dankbar?

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Im September habe ich meine Grundausbildung zur Trageberaterin bei der Trageschule Dresden gemacht. Während dieser drei Tage ist mir meine eigene Tragegeschichte noch einmal sehr intensiv ins Bewusstsein gerückt. Es ist wirklich spannend rückblickend die eigene Entwicklung diesbezüglich zu betrachten.

Kurz bevor mein erstes Kind (vor über 15 Jahren) geboren wurde, habe ich mir ein gebrauchtes Tuch von Girasol gekauft. Mit Fransen und in verschiedenen Braun- und Naturtönen gestreift. Ein paar Wochen später kam noch ein Glückskäfer-Tragesack dazu. Jetzt hör ich die Tragepolizei schon laut aufschreien: „Der Glückskäfer-Tragesack gehört zu den Gruseltragen und unterstützt die korrekte Spreiz-Anhock-Haltung nicht!“ Ja, richtig! Nur wusste ich das damals noch nicht.

Ich habe also versucht, mein erstes Kind zu tragen. Als ich mich das erste Mal richtig rangetraut hatte, war er schon mindestens 3 Monate alt. Und so richtig gelang es mir auch nicht, mit dem Tuch oder dem Sack warm zu werden. Es fühlte sich immer nicht bequem und richtig an. Wobei ihn das nicht störte. Er hat immer friedlich an mir dran gehangen. Dass es sowas, wie Trageberatungen gab, war mir nicht bewusst. Letztendlich habe ich ihn die meiste Zeit in seinem Kinderwagen rumgeschoben.

Bei Kind Nummer zwei (6 Jahre später) kam der Glückskäfer-Sack nicht mehr zum Einsatz. Während ihrer Tragezeit zogen noch zwei verschieden lange Didymostücher und extra für meinen Mann ein kräftig Gelb-orange-farbenes Hoppediz in Größe 8 bei uns ein. Später für die Rückentragezeit kam ein Ergo Carrier dazu. Bei ihr hatten wir ein Trage – Schiebeverhältnis von ungefähr 1:1. Mein Mann genoß es sehr, sie in seinem farbenfrohen Tuch zu tragen und alle Blicke auf sich zu ziehen. In Nürnberg und Fürth, wo wir damals lebten, war das Tragen überhaupt nicht verbreitet. Und schon gar nicht unter Männern! Umso mehr viel er natürlich auf mit seinen fast zwei Metern und diesem kleinen Würmchen am Bauch.

Bei Kind Nummer drei blieb der Kinderwagen die meiste Zeit ungenutzt im Flur stehen. Die Tuch und Tragenausstattung blieb gleich. Nur ein afrikanisches Kangatuch kam noch dazu. Allerdings musste ich fetsstellen, dass mir für die Kangatrageweise der Poumfang fehlt. Mein Sohn rutschte immer runter, statt auf meinem Po zu sitzen.

Dann kam Kind Nummer vier und der Kinderwagen verstaubte in der Garage. Sie haben wir ausschließlich getragen. Und bei ihr habe ich auch endlich gelernt, wie man mit der einfachen Rucksacktrageweise auch mit dem Tuch auf dem Rücken tragen kann! Allerdings war sie da auch schon fast 2 Jahre alt. Für sie zog zuvor schon eine Huckepacktrage in Toddlergröße ein, in der sie auch jetzt mit bald 3 Jahren noch super sitzt – wenn sie denn Lust drauf hat.

Ja, so entwickelt man sich mit jedem Kind weiter. Für alle, die nicht so viel Zeit investieren und vielleicht auch nicht so viele Kinder bekommen wollen, empfehle ich, sich auf jeden Fall eine gute Trageberatung zu gönnen!

Wie hat sich euer Verhältnis zum Tragen entwickelt? Was hat euch am meisten Schwierigkeiten bereitet? Wo hättet ihr gern Unterstützung gehabt bei Thema Tragen von Babys und Kleinkindern?